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2006-05-05 - 2006-05-07
SE-B ABC: Schmelzofenexplosion in Münster


Münster, 05.05.-07.05.2006

Als letzte Etappe der Ausbildung "Spezialeinheit Bergung ABC" trafen sich die teilnehmenden Ortsverbände zu einer Abschlussübung in Münster. In einem fiktiven Katastrophenszenario war während Wartungsarbeiten in einer Metallgussfirma ein Schmelzofen explodiert. Teile des Gebäudes wurden durch die Explosion zerstört und für die Produktion benötigte Gefahrstoffe traten aus. Aus einem Materialprüflabor trat von Cäsium (137) verursachte radioaktive Strahlung aus. Auf dem Gelände befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion Menschen, die zu Übungsbeginn noch vermisst wurden.

Zu dieser Übung trafen zum ersten Mal alle neu ausgebildeten SE-B ABC Einheiten zusammen. Eine hohe Anforderung war es, den Einsatz mit teilweise noch unbekannten Kameraden und teilweise anderen Einsatzgewohnheiten zu koordinieren. Es sollte sich herausstellen, ob die neuen Einheiten zu einem Einsatz bereit wären - trotz der durch die Einsatzgefahren bedingten materiellen Einschränkungen und physischen oder psychischen Belastungen. Mit Erfolg. Im Abschlussgespräch lobte die Übungsleitung, die Helfer müssen sich trotz der hohen Anforderungen auch vor einem realen Einsatz nicht scheuen.

Als Mitglieder der SE-B ABC nahmen an der Übung die Ortsverbände Northeim, Osterode, Clausthal, Dortmund, Unna, Kamen, Lünen und Ronnenberg teil. Es nahmen insgesamt etwa 80 Spezialisten der THW SE-B ABC teil, davon 11 Helfer aus dem OV Clausthal. Die SE-B ABC 1 wurde durch die Fachberater der Umwelt-Feuerwehr FB4 aus Northeim unterstützt.

Zahlreiche weitere Einsatzkräfte nahmen taktisch oder logistisch unterstützend teil. Als Unterstützungskräfte wurden OV Dülmen, OV Havixbeck, OV Langerich, OV Münster und OV Beckum alarmiert. Zusätzlich alarmierte der Landesverband die MTOG (Mobile Technische Ortungsgruppe) Berlin zur Ortungsunterstützung. Die Führung wurde unterstützt von OV Arnsberg, OV Detmold und OV Siegen. Die Fw Ahlen führte die Dekontamination durch. Der Sanitätsdienst wurde durch den MHD Münster gestellt.
Vor Eintreffen der SE-B beteiligten sich die BF Münster und die freiwilligen Feuerwehren des Landkreises an Brandlöschungen sowie die Fw Münster an der Erkundung der Einsatzstelle. Unterkünfte wurden in einer Bundeswehrkaserne gestellt.

Die Ortsverbände wurden voralarmiert, allerdings in Form einer Alarmübung ohne vorherige Information über Art und Umfang der Schadenslage. Der OV Clausthal wurde am 05.05. um 16:20 Uhr über Meldeempfänger und SMS Benachrichtigung alarmiert. Um 16:20 Uhr fuhr er mit 11 Helfern an der Unterkunft ab. Räumgerät musste nicht transportiert werden, da dieses an der Einsatzstelle von ortsansässigen OVs gestellt wurde. Um 17:32 Uhr traf er bei Kassel mit OV Northeim und Osterode zusammen. Bis Erreichen des Übungsgeländes in Münster um 20:25 Uhr reisten die drei Ortsverbände in Kolonne.

In einer kurzen Lageeinweisung wurde der bisherige Ablauf erläutert. Es waren noch Löscharbeiten im Gange. Bei Abschluss dieser Arbeiten werde die Feuerwehr die SE-B ABC alarmieren, um Ortungs-, Bergungs- und Räumarbeiten durchzuführen. Bis dahin sollten sich die Einheiten ausruhen und einsatzbereit halten. Eine Unterkunft in einer Kaserne wurde bezogen - wissend, dass heute nicht viel Schlaf zu erwarten sei.

Um 4:20 Uhr wurde der erste Helfer geweckt. Das Gebiet war in drei Teilübungen unterteilt, an denen parallel gearbeitet werden musste.

Ein Bereich galt als radioaktiv kontaminiert. Um weitere Räumarbeiten durchführen zu können, musste zuerst eine Zufahrt frei geräumt werden. Betonhindernisse und Bäume wurden mit Trennschneider und Kettensäge entfernt. Bergungsarbeiten waren nur unter ABC-F Overgarment mit Filtermasken (Strahlenschutzanzug) möglich.

Ein anderer Bereich galt als durch chemische Gefahrstoffe verseucht. Bergungsarbeiten konnten nur unter Vollschutz CSA Anzug durchgeführt werden. Die dritte Gruppe führte Arbeiten mit Räumgeräten und Kränen ebenfalls unter ABC-F aus.
CSA Anzug
CSA Anzug

ABC-F Anzug

Um das Gefühl in einem ABC-F Overgarment verstehen zu können, stellt man sich am besten vor, bei 25°C im Schatten - und die wurden an diesem Tag überschritten - einen dicken Wintermantel anzuziehen und in der Sonne spazieren zu gehen. Der CSA Anzug entwickelte durch seine luftdichte Wand ein feuchtwarmes Saunaklima.

Recht einfache Bergungsarbeiten waren unter den harten Bedingungen nur unter größter körperlicher Anstrengung möglich. Schon bei wenigen Schritten Entfernung war Kommunikation nur über Funk möglich, Werkzeuge bewegen und gehen war unter der Last und Enge des Anzuges erschwert und jeder Schritt musste schon vor betreten der Gefahrzone durchdacht sein. Rückkehr in sicheres Gebiet war nur mit Dekontamination, Ablegen des Schutzanzuges und dadurch Beenden des Arbeitsganges möglich.

Die Arbeitsgänge mussten äußerst kurz gehalten werden, da zusätzlich mit schweren Geräten gearbeitet werden musste. Schon nach 15 Minuten mussten die Helfer aus dem Gefahrengebiet zurück, um keine Risiken durch Kreislaufbelastung und Wasserverlust einzugehen. Dennoch gingen die Arbeiten den Möglichkeiten entsprechend zügig voran. Der Rettungstrupp, der in einem Notfall den arbeitenden Trupp bergen würde, wartete einsatzbereit auf dessen Rückkehr. Bei seinem Eintreffen wurde der noch ausgeruhte Rettungstrupp selbst zum Arbeitstrupp und ein bis dahin frisch eingekleideter neuer Rettungstrupp übernahm seine Aufgabe. Wer aus dem Gefahrengebiet zurückkehrte, übermittelte seinem Nachfolger sofort die aktuelle Lage. Der Zeitverlust beim Wechsel blieb so minimal.

Um 17:50 Uhr endeten die Bergungsarbeiten mit einer Abschlussbesprechung. Am Morgen des 07.05. traten die Einheiten nach abschließenden Worten der Übungsleitung ihren Heimweg an. Um 14:00 Uhr erreichte der OV Clausthal seine Unterkunft.